Sayı | Ausgabe: 208 (27.02.2019)
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Faire Bedingungen für alle Marktteilnehmer, mehr Tempo bei der Steuerreform, forcierte Ausbildung sind die Schwerpunkte der Wirtschaftskammer Wien für 2019. Faire Bedingungen für alle Marktteilnehmer, mehr Tempo bei der Steuerreform, forcierte Ausbildung sind die Schwerpunkte der Wirtschaftskammer Wien für 2019.   „In den vergangenen Monaten haben wir als Interessensvertretung der Wiener Unternehmen viel erreicht. Eine Reihe unserer Forderungen und Initiativen wurden aufgegriffen“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien (WKW). So wurden im Dezember die Anrainerparkplätze in Wien für den Wirtschaftsverkehr geöffnet. Ruck: „Eine große Erleichterung für den Lieferverkehr und unsere Handwerksbetriebe - wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen darauf.“
Das neue Segment Direct Market Plus der Wiener Börse geht ebenfalls auf eine Initiative der Wirtschaftskammer Wien zurück und bietet für KMU einen neuen Finanzierungsweg. Mit Jahresmitte wird der Standortanwalt bei den Wirtschaftskammern angesiedelt. Er wird die Genehmigungsverfahren bei Infrastrukturprojekten beschleunigen. Am Steuersektor hat Finanzminister Hartwig Löger, die Idee der WKW einer antragslosen Einkommensteuererklärung aufgegriffen. Zudem hat die Regierung in einem ersten Schritt der Steuerreform Entlastungen für Kleinunternehmen fixiert.Faire Bedingungen für alle Marktteilnehmer„Unsere Beharrlichkeit und Beständigkeit hat sich ausgezahlt. Das ist für uns Ansporn und Auftrag zugleich, denn im globalen Wettbewerb muss sich der Wirtschaftsstandort Wien laufend verbessern“, sagt Ruck. Besonders wichtig ist dem WKW-Präsidenten dabei der Ausgleich zwischen heimischen Unternehmen und internationalen Online-Konzernen: „Für alle Marktteilnehmer müssen die gleichen Rechte und Pflichten gelten. Wer in Österreich Geschäfte macht, soll auch in Österreich Steuern abliefern.“Ein weiterer Schwerpunkt ist die Steuerpolitik. Ruck: „Wir brauchen eine solide Steuerreform auch für Unternehmen. Eine schnelle Senkung der Körperschaftsteuer ist ein Gebot der Stunde. Hier sind unsere Unternehmen im internationalen Vergleich benachteiligt. Wichtig wäre auch, dass die Regierung ihre Steuervorhaben für die Wirtschaft rasch konkretisiert, auch im Sinne der Planbarkeit.“ Eine KöSt-Senkung schon ab dem Jahr 2020 statt 2022 würde in Wien einen Wertschöpfungseffekt von 470 Millionen Euro auslösen, wenn der Steuersatz von derzeit 25 Prozent auf 19 Prozent gesenkt wird.
Im Bereich Bildung und Ausbildung sieht Ruck ebenfalls Handlungsbedarf: „Wir müssen mehr junge Menschen für Wirtschaft und Technik begeistern, vor allem auch Frauen, damit unsere Unternehmen die Arbeitskräfte bekommen, die sie benötigen.“ Das bedeute beispielsweise verstärktes Engagement beim Thema Lehre nach der Matura, Betriebspraktika für Lehramtsstudierende oder Berufs- und Bildungswegorientierung als verbindliche Übung, vor allem an den AHS.
Branchen-Schwerpunkte: Ausbildung, Fairness und StandortfaktorenAuch in den einzelnen Branchen bewegt sich heuer einiges, wie die zuständigen Obleute informieren. Die Schwerpunkte liegen hier ebenfalls klar bei Ausbildung, Standortfaktoren und Fairness. „Die Meister von heute bilden die Lehrlinge von heute zu den Meistern von morgen aus“, betont Maria Smodics-Neumann, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk und Abgeordnete zum Nationalrat. Und setzt dementsprechend auch die Schwerpunkte für das Arbeitsjahr 2019: „Wir wollen weiter aufzeigen, dass die Lehre und die Ausbildung zur Fachkraft nicht nur die eigene Zukunft als Angestellter sichert, sondern auch die Basis für die Ausbildung zum Meister und damit zum Unternehmertum ist. Und dass dieser fundierte Ausbildungsweg der Grund für die hohe Qualität der Wiener Gewerbe- und Handwerksbetriebe ist.“ Ebenso wichtig ist für Smodics-Neumann aber auch der zweite Schwerpunkt, den sich die Sparte für 2019 gesetzt hat: Die Digitalisierung im traditionellen Handwerk, die nicht bei der eigenen Homepage enden soll: „Das Internet gibt uns heute unzählige neue Möglichkeiten und Chancen, in der Werbung, in der Kommunikation und auch in der Produktion selbst. Wir werden daher für jede Branche die besten Wege aufzeigen, diese Chancen zu nutzen und die richtigen Anwendungen zu finden.“

Reform der 9. Schulstufe und VerwaltungsvereinfachungAuch die Industrie setzt auf Bildung. Mehr als 600 Lehrstellen konnten im vergangenen Jahr wegen des sinkenden Bildungsniveaus nicht besetzt werden. „Die Verantwortung darf nicht auf die Schüler abgewälzt werden, vielmehr ist hier die Politik gefragt“, so Industrie-Obmann Stefan Ehrlich-Adám. „Es muss sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen, die das Schulsystem verlassen, über Mindestkompetenzen im Rechnen, Lesen und Schreiben verfügen, damit die Berufsausbildung darauf aufbauen kann.“ Für die Industrie steht daher eine Reform der 9. Schulstufe ganz oben auf der Agenda. Für die Industrie sind angehende Fachkräfte mit einer soliden Schulbildung die Basis für das Weiterkommen.Die Industrie wird sich zudem für Verwaltungsvereinfachungen einsetzen. „Im Verfahrensrecht bringen neue Instrumente wie digitale Plattformen oder neue Genehmigungsformen wie nachträgliche Genehmigungen eine Erleichterung“, so Ehrlich-Adám.
Breitband-Ausbau und mehr InformatikerMartin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting setzt seine Schwerunkte in den Bereichen Infrastruktur und IT-Ausbildung. „Bei der Versorgung mit schnellem Internet gibt es noch immer weiße Flecken in Wien – vor allem in den Randbezirken wo viele Betriebe angesiedelt sind. Das bestätigen auch viele Gespräche mit Unternehmen“, sagt Heimhilcher: „Rascher Ausbau des Breitbandnetzes sowohl über Glasfaser als auch über 5G ist ein Gebot der Stunde.“ Handlungsbedarf sieht Heimhilcher auch bei IT-Fachkräften. Branchenübergreifend fehlen in Österreich 10.000 IT-Fachkräfte, ein Großteil davon in Wien. Davon besonders betroffen sind auch die über 12.000 Wiener IT-Unternehmen. Daher muss die IT-Ausbildung quer durch alle Ebenen forciert werden. Heimhilcher: „Durch die rasante Entwicklung im IT-Sektor steigt auch die Bedeutung der Lehre. Mit den neuen IT-Lehrberufen App-Entwicklung/Coding, Systemtechnik und Betriebstechnik haben wir ein attraktives Angebot geschaffen.“
Fairness und zukunftsorientierte Planung auf Wiens Straßen„Auf Wiens Straßen muss Fairness herrschen“, sagt Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr. „Wir arbeiten derzeit gemeinsam mit dem Verkehrsministerium an einer Novellierung des Gelegenheitsverkehrsgesetzes.“ Uber erbringt und vermittelt zwar Taxileistungen, hält sich aber nicht an grundlegende Rahmenbedingungen – beispielsweise an keine Tarifpflicht.  „Hier muss sich schnellstmöglich etwas ändern. Noch im Frühjahr sollen Ergebnisse präsentiert werden.“Der Transport-Obmann will sich auch weiterhin für zukunftsorientierte Planung und somit für  einen modernen Fernbusterminal einsetzen. „Alleine beim bestehenden Fernbusterminal in Erdberg kommen mehr Passagiere an als beim Salzburger Flughafen. Busreisen werden immer beliebter, darum muss jetzt in die notwendige Infrastruktur investiert werden.“
Besteuerung für Globale Internetriesen und Mitgestaltung des öffentlichen Raums„Die Ungleichbehandlung des stationären Handels gegenüber den großen Internetkonzernen muss ein Ende haben“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel. „Globale Internetriesen, die in Österreich werben und verkaufen, sollen auch ihre Steuern zahlen. Immerhin stehen zehntausende Jobs auf dem Spiel.“ Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums muss auch auf die Interessen des Handels geachtet werden. „Bei verkehrspolitischen Entscheidungen wie etwa beim Radweg beim Naschmarkt müssen auch die Bedürfnisse der Unternehmer berücksichtigt werden“, so Trefelik. Für Chaos sorgen mittlerweile die vielen e-Scooter. „Wir begrüßen innovative Mobilitätskonzepte, aber es braucht hier dringend klare Regeln. Da geht es um die Sicherheit von Passanten, aber auch um den Zugang zu Geschäften." Für ein Umdenken und mehr Miteinander wirbt der Handelsobmann auch im Hinblick auf die permanenten Innenstadt-Sperren im Zusammenhang mit Demonstrationen. „Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber hier geht es auch um wirtschaftliche Existenzen und Arbeitsplätze. Und bitte nicht vergessen: Wo regionale Geschäfte verschwinden, verödet die Stadt.“
Eventboard für Top-VeranstaltungenAus Sicht von Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, gibt es folgende Schwerpunkte für Wien: Erstens die Weiterentwicklung der Eventstadt Wien durch neue Sportstätten und neue Sportevents in Wien: „Dazu braucht es die Etablierung eines Eventboard, also einer Stelle, die sich um die Lukrierung neuer Events und die Vereinfachung der Anmeldemodalitäten kümmert.“ Und zweitens müsse ein harmonisches Miteinander zwischen Bewohnern und Touristen in Wien unbedingt erhalten werden. „Deshalb gilt es jetzt, Konzepte für eine Entzerrung der Touristenströme zu erstellen und neue Attraktionspunkte für Touristen zu etablieren. Die Platzierung der neuen Eventhalle in St. Marx ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Grießler. Auch der aktuell noch brach liegende, aber aus touristischer Sicht sehr interessante Kahlenberg könnte durch den Bau einer Seilbahn endlich aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden.

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